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  Lilienthal

Geografie

Geografische Lage

Lilienthal liegt rund elf Kilometer nordöstlich von Zentrum der Stadt Bremen am Rande des niedersächsischen Teufelsmoores. Durch das Gemeindegebiet fließen die Flüsse Wörpe und Wümme mit dem Wümme-Radweg.

Gemeindegliederung

Die Gemeinde Lilienthal besteht aus den folgenden Ortsteilen:[2] (in Klammern die Einwohnerzahlen Stand 10. Januar 2012)

  • Lilienthal (13.005)
  • Worphausen (2334)
  • Sankt Jürgen (1592)
  • Seebergen (838)
  • Heidberg (309)

Nachbargemeinden

Lilienthal grenzt im Norden an die Stadt Osterholz-Scharmbeck und die Gemeinde Worpswede, im Osten an die Gemeinde Grasberg, im Südosten an die Gemeinde Ottersberg, im Süden an die Stadt Bremen und im Westen an die Gemeinde Ritterhude.

Flächennutzung

Die Gemeinde Lilienthal hat eine Gesamtfläche von 7.203 Hektar, davon werden 5.689,3 Hektar als landwirtschaftliche Flächen genutzt. Weitere 128,4 Hektar sind Wald.[2]

Geologie

Der Süden und Westen des Gemeindegebietes entlang der Wümme gehört zu den Flussmarschen der Unterweser, der Norden zum Teufelsmoor. Heidberg im Osten gehört zu den Ausläufern der Achim-Verdener Geest. Auch in den Feuchtgebieten gibt es kleine Geestinseln, etwa in Frankenburg und bei der St.-Jürgen-Kirche.

Unter dem Kernort Lilienthal befindet sich ein Salzstock, der mit seinem Salz die Quelle der Pannlake im Hollerland speist.

Geschichte

 
Klosterkirche Lilienthal

Der Bremer Bischof und erste Hamburger Erzbischof Ansgar (Erzbischof von Hamburg-Bremen) ließ 865 auf dem kleinen Geesthügel der heutigen St.-Jürgens-Kirche eine steinerne Wegkapelle errichten.

Im Jahr 937 wurde das Dorf Trupe erstmals erwähnt, 1183 seine Kapelle.

Die Erschließung des Sankt-Jürgenslandes im Westen des heutigen Gemeindegebietes durch holländische Siedler Hollerkolonisation begann 1106.

Kloster Lilienthal

Der Ort Lilienthal selber geht auf die Gründung des Klosters Lilienthal durch den Bremer Erzbischof Gerhard II. zurück. Unter dem Namen Sancta Maria in Valle Liliorum (‚St. Maria im Tal der Lilien‘) begann 1232 der Bau des Nonnenklosters, das dem Zisterzienserorden angegliedert und 1264 geweiht wurde. Maria mit dem Kind und die Lilien als ihr Symbol erscheinen bis heute im Ortswappen. Um 1400 erlebte das Kloster seine Blütezeit.

Nach der Reformation wurde das Kloster ein evangelisches Damenstift, das sich unter kläglichen Bedingungen noch bis zum Ende des Dreißigjährigen Krieges halten konnte. 1650 erfolgte die Säkularisierung; auf dem ehemaligen Grundbesitz des Klosters, der aufgeteilt wurde, entwickelte sich die Ortschaft Lilienthal.

Schweden

Nach den Bestimmungen des Westfälischen Friedes wurden das Erzstift Bremen und das ehemalige Hochstift Verden zu Herzogtümern säkularisiert und dem Königreich Schweden unterstellt, das damit das Land zwischen Weser und Elbe beherrschte. Königin Christina von Schweden belehnte einen verdienten schwedischen Heerführer, den Landgrafen Friedrich von Hessen-Eschwege, mit der neu geschaffenen Herrschaft Osterholz, in der die Ämter Lilienthal und Osterholz zusammengeschlossen waren. Nach dem frühen Tod des Landgrafen übernahm 1655 seine Frau Eleonore die Regierung mit Sitz in Osterholz und mühte sich tatkräftig um eine Verbesserung der wirtschaftlichen und sanitären Lage der Landbevölkerung. Nach ihrem Tod 1692 fiel das Lehen an die schwedische Krone zurück.

Hannover

Lilienthal blieb bis 1712 schwedisch – daher die schwedischen Farben des Wappens –, kam dann an Dänemark und 1719 unter die Herrschaft des Kurfürstentums Braunschweig-Lüneburg. Lilienthal wurde Sitz eines hannoverschen Amtes. 1740 wurden die Klosteranlagen abgerissen.

In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurden unter der Leitung des hannöverschen Moorkommissars Jürgen Christian Findorff auch im Norden des heutigen Gemeindegebiets von Lilienthal mehrere Moorkolonien angelegt, Lüningsee (1763), Lüninghausen (1764), Westerwede (1764), Moorende (1778) und Mooringen (1778), sowie nach Findorffs Tod noch Schrötersdorf[3] (1805) und Neu Mooringen (1808).

Astronomie in Lilienthal

1782 bezog der Amtmann Johann Hieronymus Schroeter den Amtshof. Neben der Verwaltungstätigkeit nahm die Beschäftigung mit der Astronomie einen Großteil seiner Zeit in Anspruch. Er errichtete in Lilienthal im Garten seines Amtshauses eine Sternwarte. Die Sternwarte Lilienthal wurde in den folgenden Jahren zu dem am besten ausgerüsteten Observatorium der Welt. Hier befand sich unter anderem ein „Riesenteleskop“ mit 50 cm Öffnung und 8,25 m Brennweite. Durch das Teleskop erlangte Lilienthal Berühmtheit und wurde von Astronomen, hohen Staatsbeamten und Militärs zahlreicher Staaten besucht. Schroeter stand in brieflichem Kontakt zu vielen bedeutenden Astronomen seiner Zeit. Zusammen mit Heinrich Wilhelm Olbers und anderen Gelehrten gründete er am 21. September 1800 in Lilienthal die Astronomische Gesellschaft, die erste astronomische Vereinigung der Welt. Nach Schroeters Tod im Jahre 1816 verfiel die Sternwarte. 1850 wurden die letzten Überbleibsel abgerissen. Ein Großteil der Instrumente war zuvor an die Universität Göttingen gegangen. Das Romanfragment Lilienthal oder die Astronomen von Arno Schmidt spielt auf diese Sternwarte an.

19. Jahrhundert

Der Befreiungskrieg 1813 traf Lilienthal hart. Nach einem Zwischenfall während des Rückzugs setzte ein französischer Truppenteil den gesamten Ort Lilienthal in Brand. Nur die Kirche, einige wenige Häuser und die Sternwarte blieben von den Flammen verschont.[4]

Mit dem Deutschen Krieg von 1866 wurde das Königreich Hannover von Preußen annektiert. Die preußische Regierung vereinigte 1885 die hannöverschen Ämter Lilienthal und Osterholz zum Landkreis Osterholz.

20. und 21. Jahrhundert

Im weiteren Verlauf wuchs die Gemeinde stetig. 1939 hatte sie 3.100 Einwohner, 1974 deren 12.500. Durch die Eingemeindung der Nachbardörfer im gleichen Jahr wuchs die Einwohnerzahl auf nahezu 17.000. Heute ist Lilienthal geprägt durch neue Wohnviertel, deren Bewohner oftmals durch die Nähe zur Großstadt Bremen angezogen werden und ein „Haus im Grünen“ bauen möchten.

 
Ehemaliger Kleinbahnhof Lilienthal

Von 1900 bis 1956 war Lilienthal durch die Kleinbahn Jan Reiners an Bremen angebunden.

Am 28. Oktober 2013 wurde eine Umgehungsstraße mit einer aufwändigen neuen Wümmebrücke in Betrieb genommen, um die Lilienthaler Hauptstraße vom Durchgangsverkehr zu entlasten.

Am 1. August 2014 wurden der Kernort und Falkenberg an das Straßenbahnnetz der BSAG angeschlossen.

Eingemeindungen

Das Gebiet der heutigen Gemeinde Lilienthal ist durch eine Reihe historischer Daten zusammengewachsen:

  • Beim Gebietstausch von 1827 zwischen der Freien Hansestadt Bremen und dem Königreich Hannover im Rahmen der Gründung Bremerhavens erhielt Lilienthal den Ortsteil
    • Butendiek.
  • Bei der Gebietsreform von 1929 kamen
    • Lüningsee, Lüninghausen und Westerwede zu Worphausen
    • Mittelbauer zu Sankt Jürgen
  • Bei der Gebietsreform vom 1. April 1937 kamen[5]
 

zu Lilienthal:

  • Falkenberg
  • Frankenburg
  • Moorhausen (Teil)
  • Trupe
  • Truperdeich
  • Trupermoor

zu Sankt Jürgen:

  • Moorhausen (Teil)
  • Niederende
  • Oberende
  • Wührden

zu Worphausen:

  • Moorende
  • Mooringen
  • Bei der Gebietsreform vom 1. März 1974 wurden nach Lilienthal eingemeindet:[6]
 
Sankt Jürgensland: Blick vom Bremer Wümmedeich zur St.-Jürgens-Kirche

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Theater

Im Ortsteil Frankenburg befindet sich die Freilichtbühne Lilienthal.

Museen

Bauwerke

 
Stumpf der Frankenburger Windmühle
  • St.-Jürgens-Kirche im Ortsteil Sankt Jürgen, 1190
  • Klosterkirche St. Marien in Lilienthal[19], gegründet 1530, heutiges Gebäude 1550–1565
  • Kapelle im Ortsteil Trupe, 1283[20]
  • ehemaliger Kleinbahnhof Lilienthal
  • Frankenburger Mühle (Denkmalschutz wieder aufgehoben)[21]

Wirtschaft und Infrastruktur

Wirtschaft

Zu regional wie überregional bekannten Unternehmen aus Lilienthal gehören:

  • Fugro Consult GmbH (Dienstleistungen zur geophysikalischen und geotechnischen Baugrund- und Rohstofferkundung)
  • German Bags GmbH (Vertrieb von Taschen)
  • Nabertherm GmbH (Hersteller von Industrieöfen)
  • Out of the blue KG (Großimporteur von Geschenk- und Elektroartikeln)
  • Poliboy Brandt & Walther GmbH (Hersteller von Pflege- und Reinigungsmitteln)
  • Leuchtfeuer Strickwaren Adolf Grohmann KG (Hersteller von Strickwaren und maritimer Bekleidung)

Windpark Oberende

Der Windpark Oberende wurde von der spanischen Firma Gamesa errichtet und 2009 in Betrieb genommen. Die fünf Windkraftanlagen sind vom Typ Gamesa G 58 und haben eine Gesamthöhe von 100 Meter. Die Leistung jeder Anlage wird mit 850 kW angegeben. Alle Anlagen wurden 2010 an IKEA veräußert.

2010 gründeten umliegende Bürger, welche gegen einen Ausbau des Windparks eintreten und die bereits vorhandenen Windkraftanlagen kritisieren, die Interessengemeinschaft 5 sind genug!. Sie beanstanden vor allem die Geräuschentwicklung, das Blinklicht auf den Anlagen, den Schattenwurf und den ihrer Meinung nach landschaftlichen Schaden, der von den Anlagen ausgehen werden würde.

Öffentliche Einrichtungen

 
Rathaus (links) und Klosterkirche Lilienthal

Allgemein und Kultur

  • Rathaus Lilienthal, Klosterstraße 16
  • Murkens Hof – Kulturzentrum Lilienthal, Klosterstraße 25
    • Bibliothek Lilienthal in einem alten, niedersächsischen Ständerhaus
    • Volkshochschule (VHS)
    • Artothek, Galerie, Kommunales Kino, Bürgerfunk

Sozialeinrichtungen

  • 11 Kindergärten und Kindertageseinrichtungen
  • Akutkrankenhaus Lilienthal; es handelt sich dabei um die Residenz-Kliniken, die 2009 einen Trägerwechsel erlebten[22].

Bildung

  • Grundschule Schroeterschule, Konventshof 3
  • Grundschule Falkenberg, Peter-Sonnenschein-Straße 1
  • Grundschule Trupermoor, Trupermoorer Landstraße 15
  • Grundschule Frankenburg, Hinter dem Berg 8
  • Grundschule Worphausen, Lüninghauser Straße 6
  • Grundschule Seebergen, Am Mühlenberg 40
  • Oberschule Lilienthal, Auf dem Kamp 1e
  • Gymnasium Lilienthal, Zum Schoofmoor 13
  • Christoph-Tornée-Schule, Förderschule für die Jahrgangsstufen 1–9, Zum Schoofmoor 9

sowie

  • Kreismusikschule, Lindenstraße 55
  • Berufsfachschule für Altenpflege und für Ergo-Therapie, Fachschule Heilerziehungspflege, An der Martinskirche 14

Verkehr

 
Straßenbahn in Lilienthal (2014)

Im Öffentlichen Personennahverkehr ist Lilienthal seit dem 1. August 2014 an das Bremer Straßenbahnnetz angeschlossen. Die Verlängerung der Straßenbahnlinie 4 von Bremen-Borgfeld nach Lilienthal-Falkenberg befand sich von Ende Februar 2011 bis Juni 2014 im Bau. Aufgrund der Insolvenz des bauausführenden Generalunternehmens verschob sich die geplante Fertigstellung von September 2013 auf den 1. August 2014.[23][24] Die Regionalbusse der Linien 630 und 670 des VBN, die vom Bremer Hauptbahnhof durch die Gemeinde Lilienthal nach Worpswede und Zeven fahren, bekamen mit der Eröffnung der Linie 4 nach Falkenberg einen neuen Streckenverlauf. Mit Aufnahme des Regelbetriebes der Linie 4 wurde die Buslinie 30 der BSAG nach Bremen-Borgfeld eingestellt. [25]

Innerorts und als Zubringer zu den Linienbussen kann ein Anrufsammeltaxi bestellt werden.

Seit Mai 2010 ist eine innerörtliche Entlastungsstraße fertiggestellt und für den öffentlichen Verkehr freigegeben.

Quelle: Wikipedia



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